„GUCK MAL, DA BIN ICH!“ – DIALOGE MIT KINDERN UNTER DREI JAHREN

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Foto: Helene-Souza / pixelio.jpg

Viele Bedingungen spielen bei der Entwicklung der kindlichen Sprache eine Rolle. Da diese Bedingungen für die Kinder sehr unterschiedlich sind, ist es normal, dass auch ihre Sprachentwicklung große Unterschiede aufweist. Eltern und Erzieherinnen müssen sich die Frage stellen, ob sie die oft sehr großen Unterschiede emotional akzeptieren und angemessen auf die jeweiligen sprachlichen Äußerungen reagieren können. Schon vom dritten Monat an probiert ein Kind, was es mit Zunge, Lippen und Spucke alles machen kann. Kurze Zeit später bildet es Laute und Lautfolgen, wie a aa a oder oo o ooo. In dieser Phase sollten die Bezugspersonen sowohl die beruhigende Babysprache imitieren als auch in gewohnter Sprechweise die Vorgänge beim Wickeln, Füttern, Waschen und Anziehen benennen. Sie sollten ihre Handlungen sprachlich begleiten. In den Anfängen nehmen wir bei Kinder Lautmalereien wie brrrrr oder brumm wahr. Meistens stehen sie für Fahrzeuge wie Autos, Trecker, Flugzeuge. Sie werden als Brückenwörter angesehen. Zwischen dem 10. und 14. Monat können Kinder Wortklänge wie Nane, Dede, Mimi, Hühang

aus Wörtern heraushören und diese produzieren. Oft ist nur aus dem Kontext zu erkennen, welche Bedeutung einem Lautgebilde zukommt. In der Folgezeit entstehen Wörter für die wichtigsten Personen (Mama, Papa), für Dinge (Haus, Löffel, Bagger) und auch für Lieblingsspielsachen (Puppe, Auto, Teddy). Schließlich

bilden sich durch Beobachtungen in Alltagssituationen „Relationswörter“ wie „da“

oder „weg.“ Im Alter von zwei Jahren sprechen viele Kinder Wörter wie: Mama, Papa, Ball, Puppe, Hund oder Wauwau. Dodil, Tator, Schleifwurst und viele andere Produktionen entstehen und geben der Bezugsperson oft nur für Sekunden ein Rätsel auf. Dann lässt dich die Bedeutung aus dem Kontext erahnen.

Nun ist die empathische Modulierkunst der Erwachsenen gefragt. Es gibt viele

Möglichkeiten, nun einen Dialog über das Krokodil, den Traktor oder die leckere Fleischwurst zu beginnen. Wenn wir die vielen Wortklangschöpfungen der Kinder mit Staunen und Freude aufnehmen und wohlwollend korrigierend ihre Klangwörter in der Umgangssprache wieder verwenden, dann finden nach und nach Klang und Bedeutung auf gute Weise zueinander.

So wird irgendwann aus Wuffin ein Telefon, aus Somzia ein Wohnzimmer und aus Dazus ein Schlafanzug. Mit Wörtern „Ja“ und „Nein“ können Kinder ihre Zustimmung ausdrücken oder mitteilen, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Etwas später in der Entwicklung folgen Verben und Eigenschaftswörter.

Die Grammatik bringt Ordnung in die Sprache. Sie weist den einzelnen Worten ihren Platz zu. Es geht darum, wer das Subjekt einer Handlung ist, wo und wann etwas stattfindet.

Im Alter von drei Jahren kommt es zu komplexeren Sätzen. Das Verb wird an die richtige Stelle im Satz gestellt. Fragen können formuliert, Einzahl und Mehrzahl unterschieden werden. Der richtige Gebrauch der Artikel nimmt zu. Kinder verwenden in diesem Alter die richtige Zeitform und wollen beim Betrachten von Bilderbüchern nicht nur zuhören, sondern möglichst oft auch mitreden.

Mimik, Gestik und Betonung spielen von Anfang an eine Rolle. Sie unterstützen Kinder bei ihren sprachlichen Äußerungen und unterstreichen das Gemeinte. Die Situationen in Krippen sind sehr vielfältig und komplex. Um eine gute Grundlage für das Verstehen von Kinderäußerungen und ihre sprachlichen Fähigkeiten zu bekommen, ist es hilfreich, immer wieder einmal einzelne Situationen aufzuzeichnen und das Ergebnis im Team anzuschauen und zu analysieren. Dabei könnte sich eine Erzieherin folgende Fragen stellen:

  • Nehme ich die Sprechversuche der Kinder wahr?
  • Habe ich Interesse an ihren sprachlichen Äußerungen?
  • Wende ich gute Modulationstechniken an?
  • Gelingt es mir, die alltäglichen Aktivitäten in Worte zu fassen?
  • Nehme ich wahr ob und wie Kinder sprachlich aufeinander eingehen?
  • Achte ich darauf, dass neue Wörter in ihrem Zusammenhang erlebt und verstanden werden?
  • Unterstütze ich die Kinder bei ihren Interaktionen?
  • Stelle ich Fragen zu unvollständigen Äußerungen und bringe ich sie – falls erforderlich – in die grammatikalisch richtige Form?
  • Achte ich bewusst darauf, was Kinder mir mitteilen wollen?
  • Schreibe ich möglichst oft ihre Erzählungen und Berichte für sie auf?
  • Bin ich in meinem sprachlichen Handeln authentisch?
  • Rege ich die Kinder an, angemessen über ihre Konflikte zu sprechen?

Im Zentrum des Vortrags stehen Videoaufzeichnungen, die im Gespräch analysiert werden.