INTERAKTIONEN – SCHATZKAMMER DER SPRACHLICHEN BILDUNG

 

Quelle: Gebauer: Gefühle erkennen; Foto Jürgen Hast

Quelle: Gebauer: Gefühle erkennen; Foto Jürgen Hast

Aus wissenschaftlicher Sicht hat die Beziehungsgestaltung eine revolutionäre Neubewertung erfahren. Wir wissen heute, dass die Qualität der Beziehung die Ausbildung neurologischer Strukturen beeinflusst. Beachtung, Anerkennung und Zuwendung aktivieren das Motivationssystem. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass vor allem eine empathische Beziehung zwischen Erzieherinnen und Kindern eine positive Auswirkung auf die Sprachentwicklung hat. Es gilt daher, allen interaktiven Prozessen eine große Aufmerksamkeit zu schenken. Die Interaktionen der Kinder sind eine Schatzkammer der sprachlichen Bildung. Im Kontakt mit anderen Kindern lernt ein Kind, seine Bedürfnisse und Ziele mit Gleichaltrigen abzustimmen und durchzusetzen.

Sprachbildung im Elementarbereich wurde in den letzten Jahren in vielen Einrichtungen gleichgesetzt mit Sprachförderung. Oft war diese an bestimmte Personen und Programme gebunden. Es hat sich gezeigt, dass Sprachförderung als isolierte Maßnahme nicht sehr effektiv ist. Erfreulicherweise sind in einigen Bundesländern die Weichen für ein modernes Sprachbildungskonzept bereits gestellt. So enthält der Hessische Bildungsplan die zentrale Aussage: „Sprachkompetenz erwerben Kinder am erfolgreichsten im Zusammenhang mit Handlungen, die für sie selbst Sinn ergeben.“ Die Niedersächsischen Handlungsempfehlungen zu Sprachbildung und – förderung konkretisieren diesen Ansatz.

 

Facetten eines neuen Sprachbildungskonzeptes

Reden über die Dinge des Alltags; Vorlesen in den Familien und in der Kita; über Bilderbücher und Geschichten sprechen; Erzählen, Erfinden, und Aufschreiben von Geschichten; Laut- und Sprachspiele, Gedichte, Reime und Lieder; Über Konflikte reden; Gespräche beim gemeinsamen Essen. Vor allem sollten die Erwachsenen für die Kinder ein sprachliches Vorbild sein.

 

Nachdenken über das sprachliche Handeln

Dazu gehören Überlegungen wie:

  • Zeige ich Interesse an dem, was Kinder machen und wie sie es machen?
  • Begleite ich ihre Aktivitäten sprachlich?
  • Achte ich darauf, dass neue Wörter in ihrem Zusammenhang erlebt und verstanden werden?
  • Unterstütze ich die Kinder bei ihren Interaktionen?
  • Korrigiere ich das Sprechen der Kinder, indem ich Modelliertechniken einsetze?
  • Stelle ich Fragen zu unvollständigen Äußerungen und bringe ich sie – falls erforderlich in die grammatikalisch richtige Form?
  • Ermuntere ich die Kinder zu Rollenspielen und beteilige ich mich an Spielsituationen?
  • Bringe ich genügend Ideen mit in den Alltag?
  • Setze ich anregende methodische Möglichkeiten ein (Erzählkoffer)?
  • Achte ich bewusst darauf, was Kinder mir mitteilen wollen?
  • Schreibe ich möglichst oft ihre Erzählungen und Berichte für sie auf?
  • Bin ich in meinem sprachlichen Handeln authentisch?
  • Rege ich die Kinder an, angemessen über ihre Konflikte zu sprechen?
  • Bedingungen

Kinder brauchen Zeit, eine anregende Umgebung und zugewandte Erzieherinnen. So kann sich eine Sprachkultur entwickeln, die für die beteiligten Personen mit Freude verbunden ist.

Im Vortrag werden Aspekte einer modernen Sprachbildung anhand vieler Beispiele aus dem Alltag einer KITA dargestellt. Im Workshop werden die unterschiedlichsten Facetten erprobt, z.B. die vielfältigen Möglichkeiten, die ein „Erzählkoffer“ bietet. Für das „dialogische“ Betrachten eines Bilderbuches sollte jede Teilnehmerin ihr Lieblingsbilderbuch mitbringen.