Kongresse

Foto: Christina Berger

Die Göttinger Erziehungs- und Bildungskongresse richten sich an Lehrer/Lehrerinnen, Erzieherinnen, Sozialpädagogen, Kinderärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Therapeuten, Eltern und an eine interessierte Öffentlichkeit.

Es ist schon Tradition: Im Herbst treffen sich im zentralen Hörsaalgebäude der Universität Göttingen Wissenschaftler, Erzieherinnen, Sozialpädagogen, Lehrkräfte und interessierte Eltern zu einem Diskurs über aktuelle Erziehungs- und Bildungsfragen. Der erste Kongress fand im November 2000 statt. Sein Thema: „Im Teufelskreis der Selbstbezogenheit“. Damals konnte niemand ahnen, dass sich daraus einmal die größten Bildungskongresse  Deutschlands entwickeln würden.

Mein Anliegen war es in den vielen Jahren, eine Verbindung von Praxis und Wissenschaft herzustellen. Ich stand damals kurz vor meiner Pensionierung, war 25 Jahre als Schulleiter der Leinebergschule in Göttingen tätig gewesen. Zusammen mit meinen Kolleginnen sind wir in diesen Jahren den Problemen nicht ausgewichen. Wir haben sie zu Themen in unseren wöchentlichen Gesprächsrunden gemacht. Wir eigneten uns Arbeitsmethoden an, mit denen es möglich war, auch schwierige Probleme zu lösen. Manchmal zogen wir Wissenschaftler zu Rate. Aber der Kern unserer Arbeit bestand in der Selbstreflexion des komplexen Feldes: Erziehung und Bildung. Die Frage nach dem Sinn von Bildung stand dabei im Vordergrund. Insofern standen wir den Bestrebungen vieler Erziehungswissenschaftler, die den Schwerpunkt auf das Vermessen von Bildung legten, äußerst kritisch gegenüber. Es hat sich gezeigt, dass diese Haltung richtig war. Das bedeutet nicht, dass wir uns von der Wissenschaft abgewendet hätten. Im Gegenteil: Wir spürten, dass Antworten auf die vielen Fragen, die sich in unserer Arbeit  stellten, von der Wissenschaft kommen mussten. Aber nicht von einer Wissenschaft, die der Ökonomisierung und Bürokratisierung der Schule Vorschub leistete. In der folgenden Zeit habe ich versucht, möglichst alle Wissenschaftsbereiche, die für Erziehung und Bildung eine Bedeutung haben, einzubeziehen. So war es mir wichtig, dass neben der Säuglings, Bindungs- und Hirnforschung, auch die psychoanalytischen, soziologischen und philosophischen Diskurse im Verlauf der Kongresse gepflegt wurden.

Die Bedeutung frühkindlicher Entwicklungs- und Bildungsprozesse steht seit einigen Jahren im Fokus wissenschaftlicher und praxisbezogener Forschungen. Die Göttinger Erziehungs- und Bildungskongresse griffen dieses Thema auf und widmeten ihm eine besondere Aufmerksamkeit. Der interdisziplinäre Ansatz der Kongresse ist nach den bisherigen Erfahrungen besonders wirkungsvoll. Gleichrangig zu den traditionellen Inhalten, die in frühkindlichen Lernprozessen eine Rolle spielen, werden Themen bearbeitet, die sich auf das Bildungs- und Betreuungspersonal beziehen: Selbstfürsorge, Resilienz, Teamarbeit, Kommunikationsfähigkeit und  interkulturelle Kompetenz seien beispielhaft genannt.

Die Themen der Kongresse werden  in Vorträgen, Diskussionsforen und Workshops bearbeitet und ergänzt durch einen Markt der Möglichkeiten.

Der  Atmosphäre eines Kongresse habe ich immer eine besondere Bedeutung beigemessen. In der Art der Gestaltung sollen Erzieherinnen und Lehrkräfte eine Wertschätzung erfahren.  In der Regel findet ein Kongress am Wochenende statt.  Erzieher_Innen und Lehrer_Innen haben eine harte Arbeitswoche hinter sich und beschäftigen sich während ihres freien Wochenendes mit Fragen ihres Berufsalltags. Das bedarf einer besonderen Würdigung.

Das Rahmenprogramm ist ein wesentlicher Teil der Kongressarbeit. Dazu können gehören: 

Schülergruppen (Klasse 11/12), die sich im Vorfeld mit den Vortragsskizzen der Referenten beschäftigen und unter Leitung einer  Theaterpädagogin auf kreative Weise die Inhalte ausgewählter Vorträge in kurzen Szenen darstellen.

Schülergruppen einer BBS, die im Rahmen einer Schülerfirma unter Leitung ihrer Klassenlehrerin für die Versorgung der Gäste mit Getränken und Gebäck sorgen.

Musikalische Begrüßung der Gäste durch eine Schülerband.

Aussteller – besonders  ein  Büchertisch – sorgen für einen anregungsreichen Rahmen.

Die Pausen zwischen den Vorträgen sind so gestaltet, dass die Teilnehmer die Möglichkeit zum Gedankenaustausch haben. So kann ein Ideenworkshop zum gestalterischen Umgang mit unterschiedlichen Materialien für Anregung und Entspannung sorgen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleiten die Referentinnen und Referenten, moderieren ihre Beiträge und sorgen für eine funktionierende Technik.

In einer anregungsreichen Atmosphäre sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses erleben, dass es viele Menschen aus ihrem Berufsfeld gibt, die sich um Wissenserweiterung und den Austausch von Erfahrungen bemühen.

Der Kongress möchte Erzieherinnen, Therapeuten, Sozialpädagoginnen, Lehrerinnen,  Lehrern und Leiterinnen von Kindertagesstätten ein Angebot machen, das ihnen hilft, ihren fordernden Beruf  gut ausüben zu können.

Im  achtsamen Umgang miteinander, in den gegenseitigen Anregungen sollte eine Haltung von Wertschätzung erlebt werden können.

Als Hintergrund der Arbeit soll aus der Fülle aktueller Literatur ein Werk herausgegriffen werden: Das Buch von Julian Nida-Rümelin: Philosophie einer humanen Bildung, edition Körber- Stiftung, Hamburg, 2013.

Die Kongressarbeit braucht als Basis eine gute Kooperation verschiedener Partner. Das können Stiftungen, Kommunen, Verlage, Fortbildungsinstitute, Bildungsbüros und Träger von Kindertagesstätten sein.

Dr. phil. Karl Gebauer (Februar 2014)

 

Weitere Informationen unter: www.goe-keb.de